»Ja, das Problem ist nur, daß du keine Katze bist!« erwiderte Mike. Astaroth hielt seinem Blick noch eine Sekunde lang stand, dann rollte er sich wieder auf dem Kissen zusammen und begann wohlig zu schnurren. Abgesehen von seiner Größe hätte man ihn so wirklich für ein harmloses kleines Kätzchen halten können, an dem absolut nichts Ungewöhnliches war. Aber das stimmt nicht. Er sah zwar aus wie eine Katze, aber er war mehr als das.

»Du liest also doch meine Gedanken!« wiederholte Mike laut.

Nur jetzt,behauptete Astaroth.Vorher nicht.»Ach? Und woher hast du dann gewußt, daß wir auftauchen, noch bevor ich es dir gesagt habe?«

Von Trautman,antwortete Astaroth ungerührt.Ich habe seine Gedanken gelesen.

Mike gab auf. Es hatte sehr wenig Sinn, mit einer Katze zu diskutieren. Das war schon bei einer ganz normalen Katze ein fast aussichtsloses Unterfangen. Bei Astaroth bedeutete es reine Zeitverschwendung. Er wandte sich Serena zu.

Das Mädchen lag völlig reglos da, so wie es die ganze Zeit über dagelegen hatte – die Woche, die vergangen war, seit sie sie an Bord der NAUTILUS gebracht hatten, und auch die ungezählten Jahrhunderte zuvor, die sie schlafend in ihrer Kuppel auf dem Meeresgrund verbracht hatte. Er dachte wieder daran zurück, wie sie Serena in einem gläsernen Sarg schlafend gefunden hatten, und er fragte sich, ob es wirklich Zufall war, daß ihn das Bild so an das Märchen von Dornröschen erinnerte.

Vielleicht ist es genau anders herum,sagte Astaroth.Man sagt doch, daß jede Legende einen wahren Kern hat, oder? Denk mal darüber nach.Dann fügte er hinzu:Entschuldige.

Mike sah den Kater zwar böse an, aber er war wirklich verärgert. Es dauerte eben eine Weile, bis man sich an die Tatsache gewöhnt hatte, in der Gesellschaft eines Wesens zu sein, das jeden Gedanken so deutlich vernahm wie ein laut ausgesprochenes Wort. Mike lächelte dem Kater zu und legte Serenas Hand behutsam auf das Bett zurück. Sie reagierte auch darauf nicht, nur die Augen hinter den geschlossenen Lidern bewegten sich leicht, wie bei einem Menschen, der einen besonders intensiven Traum hat. Mike fragte sich, ob Serena träumte? Und wenn ja, was?



7 из 156